Die Kohlenstoff-Dioxid-Bilanz der Baustoffe: Bauen mit guter Ökobilanz

Jeder hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Durch die richtigen Konsumentscheidungen kann jeder die Kohlenstoffdioxid-Bilanz positiv beeinflussen.

Klimaschutz und die CO2-Emissionen lassen sich nicht voneinander trennen. Wer etwas für den Klimaschutz und damit für die Zukunft des Planeten Erde tun möchte, muss auf seinen Kohlendioxid-Ausstoß achten und diesen reduzieren, wo immer es möglich ist. Jeder Einzelne kann hier etwas tun. Vielleicht erscheinen die einzelnen Maßnahmen wie ein Tropfen auf den heißen Stein, doch viele Kilos an CO2-Emissionen, die Menschen einsparen können, summieren sich am Ende auf viele tausend Tonnen. Es gibt einige Bereiche, in denen jeder etwas tun kann. Bauherren können beispielsweise auf nachhaltige Baustoffe achten und dabei sowohl die Herkunft der Baustoffe beachten, wie auch die Verarbeitungsprozesse. Welchen Beitrag kann jeder Einzelne mit der Auswahl ökologischer Baustoffe leisten?

Ziel: eine günstige Ökobilanz

Deutschland hat sein Klimaziel genaustens definiert. Den Ausstoß an schädlichem Treibhausgas will die Bundesregierung von 11,6 Tonnen CO2 pro Jahr und Person auf unter eine Tonne absenken. Dazu sind wirksame staatliche Rahmenbedingungen notwendig, aber auch der Zusammenhalt der Menschen und der Wille, etwas zu verändern. Das Umweltbundesamt bietet einen CO2-Rechner online an, mit dem sich jeder sein persönliches CO2-Profil ansehen kann. Es ist gar nicht so schwer, nachhaltig zu bauen und dabei eine günstige Ökobilanz als Ziel zu verfolgen. Wichtig ist, auf die Baustoffe zu achten, auf deren Herkunft und die Verarbeitungsprozesse.

Fenster und Türen für eine bessere Ökobilanz

Bei Fenstern und Türen scheint es auf den ersten Blick klar zu sein: Holz ist der Rohstoff der Wahl. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Holz regelmäßige Pflege braucht. Die dafür notwendigen Pflegeprodukte tragen durch die industrielle Herstellung dazu bei, die CO2-Bilanz zu belasten. Kunststofffenster hingegen haben schon bei der Herstellung eine relativ günstige CO2-Bilanz. Das gilt insbesondere dann, wenn die Produktion der Fenster in Deutschland stattfindet und auch die Zulieferteile, wie Scharniere, Griffe oder Glas, keine weite Reise hinter sich bringen müssen, sondern ebenfalls aus Deutschland stammen. In der Folge sind Kunststofffenster sehr pflegeleicht. Holzfenster müssen die Hausbesitzer spätestens alle fünf Jahre neu lackieren. Bei Kunststofffenstern ist das nicht notwendig. Außerdem haben Kunststofffenster eine sehr lange Lebensdauer und lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus recyceln.

Bei den Türen ist der CO2-Fußabdruck ähnlich. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass insbesondere bei Haustüren noch weitere Sicherheitstechnik eingebaut ist. Da verliert der Baustoff selbst im Hinblick auf die Ressourcenschonung schnell an Bedeutung. Das ist prinzipiell bei jedem Material so. Holztüren sollten ein FSC-Zertifikat haben. Türen aus Kunststoff oder aus einem Materialmix lassen sich nicht so einfach beurteilen. Hier bleibt nur die Option, dass der Hersteller die jeweilige Ökobilanz nachweist. Als Material für Haustüren und Fenster käme theoretisch noch Aluminium infrage. Doch dieses Material hat die schlechteste Ökobilanz vorzuweisen.

Keller oder kein Keller: Wie ist das aus Ökosicht zu beurteilen?

Ein Bauwerk, das möglichst wenige Baustoffe verbraucht, hat am Ende die bessere Ökobilanz. Dabei sollten die verwendeten Baustoffe zusätzlich nachhaltig sein. In Bezug auf den Keller ist kein Keller der nachhaltigste Keller. In manchen Fällen ist es für den Kellerbau notwendig, den Grundwasserspiegel abzusenken. Der dafür notwendige Beton hat eine sehr spezielle Zusammensetzung. Er ist aufwendig in der Herstellung und verbraucht dabei viel Energie. Wer nicht unbedingt die Vollunterkellerung braucht, sollte angesichts der größeren Nachhaltigkeit darauf verzichten.

Das Material für die Gebäudehülle

Holz, so ist die landläufige Meinung, ist als Baustoff nachhaltiger als Stein. Doch ist ein Holzhaus nicht immer die bessere Wahl. Wichtig ist, woher das Holz stammt und welchen Weg es bis zum Haus zurücklegen muss. Dabei spielen auch die Bearbeitungsverfahren, die das Holz durchläuft eine wesentliche Rolle, genauso wie der Transportweg. Holz aus Waldbeständen direkt vor Ort ist ökologisch am sinnvollsten. Je kürzere Wege es zurücklegen musste, umso besser für die Ökobilanz. Wenn direkt vor Ort kein Holz wächst, sollte es zumindest aus Beständen direkt aus der näheren oder weiteren Umgebung kommen. Das Material sollte unbedingt das FSC-Siegel haben. Dieses Siegel bescheinigt, dass bei der Produktion hohe ökologische und soziale Standards eingehalten werden.

Regenerative Energien zum Heizen

Die Wahl der richtigen Heiztechnik ist gar nicht so einfach. Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Der Laie kann dabei kaum noch überblicken, was für ihn am besten geeignet ist. Das hängt damit zusammen, dass die Auswahl der richtigen Haustechnik zum einen vom Haustyp und zum anderen vom Nutzungsverhalten abhängig ist.

Die Ökobilanz von Gas und Öl ist eher schlecht. Bei der Verbrennung entsteht sehr viel klimaschädliches CO2. Eine Holzheizung ist eine gute Alternative. Technisch betrachtet ist Holz bei der Verbrennung klimaneutral. Während der Wachstumsphase bindet das Holz CO2, das bei der Verbrennung wieder nach außen tritt. Sehr effektiv ist die Verwendung eines Pelletofens, der mit Holzpellets betrieben wird. Eine solche Anlage nutzt auch die Abgase maximal.

Sonnenenergie heizt nicht nur Räume auf. Sie passt gut ins Wärmekonzept eines Hauses, das große Südfenster hat. Sonnenlicht ist auch zur Energiegewinnung geeignet, beispielsweise heizt eine Solarthermie-Anlage das Warmwasser im Sommer auf und kann im Frühling und im Herbst Wärme bereitstellen.

Wärmepumpen haben nicht automatisch eine positive Ökobilanz. Hier kommt es darauf an, ob der dafür notwendige Strom aus einer regenerativen Quelle kommt. Erzeugt ein Haushalt seinen Strom mithilfe einer Fotovoltaikanlage selbst, ist es nachhaltig, eine Wärmepumpe zur Erzeugung von Heizenergie zu verwenden. Das ist dann sehr günstig für die CO2-Bilanz. Kommt der Strom allerdings aus einer herkömmlichen Quelle, sollten Hausbesitzer eine umweltfreundlichere Heiztechnik wählen.

Die Wärmedämmung: Hilft Energie zu sparen und Heizkosten zu senken

Wenn ein Haus mit einer guten Wärmedämmung versehen ist, hat es auch einen niedrigen Energieverbrauch. Bereits beim Hausbau sowie bei der Planung des Umbaus oder der Modernisierung ist die Wahl der Dämmstoffe essenziell. Natürliche Materialien, wie Kokos, Flachs, Kork, Holz, Schilf, Schafwolle oder Hanf wirken sich positiv auf die Ökobilanz aus.